Alles begann am 7. Mai 2007. Bei einem Auslands-Infocafé unserer Fachschaft informierte ich mich – mit bereits klarer Tendenz nach Australien und Neuseeland – über die verschiedenen Alternativen. Schnell bestätigte sich meine Vorab-Tendenz in Richtung Neuseeland. Das Problem dabei: In NZ gibt es nur eine einzige Partneruni. Aber die gute Nachricht: Australien und Neuseeland laufen über ein und dasselbe Auswahlverfahren. Soll heißen: Wenn mich meine Uni nicht nach Neuseeland schickt, dann höchstwahrscheinlich nach Australien.

Vielleicht kurz erläuternd zum Ablauf: Eine deutsche Uni hat bei den ausländischen (Übersee-) Partnerunis meist ein gewisses Kontingent an Plätzen, die Sie mit Austauschstudenten belegen darf. Man bewirbt sich also zuerst an der eigenen Uni, um einen solchen (gesponserten) Austauschplatz. Wird man akzeptiert, so leitet die deutsche Uni die Bewerbung an die ausländische Zieluni weiter, die dann über die letztendlich Zulassung entscheidet, was aber i.d.R. Problemlos verläuft.

Ich stellte also kurzerhand meine Bewerbung auf. Oder eher langer Hand. Das Verfahren sollte nämlich – ungeachtet eines langen aber vergeblichen Techtelmechtels mit dem Bafög-Amt, auf welches ich hier nicht weiter eingehen möchte – ziemlich zeitraubend werden, was mir zu jenem Zeitpunkt wohl noch nicht ganz klar gewesen sein muss – immerhin: einen Biometrie-Reisepass besaß ich ja bereits.

Eine kurze Übersicht, was ich (vorerst) zur Bewerbung brauchte: 

  • Zwei unabhängige Empfehlungsschreiben von Professoren
  • Ein sehr gutes Institutional TOEFL Ergebnis
  • Ein ausführliches, englischsprachiges Motivationsschreiben
  • Einen englisch-sprachigen Lebenslauf
  • Sämtliche Zeugnisse, Scheine und Transcripte
  • Ein ausgefülltes, ZVS-ähnliches Bewerberformular

Die Beschaffung der Empfehlungsschreiben war nicht weiter kompliziert. Bereits eine Woche nach dem Infocafé hatte ich ein  (positives) Gespräch mit Herrn Prof. Schaich vom Lehrstuhl Statistik und Ökonometrie. Bei Herrn Prof. Neuss vom Lehrstuhl Banken war sogar eine schriftliche Bewerbung möglich. Letztendlich bekam ich von beiden das benötigte Schriftstück.

Am 9. Juni durfte ich dann zum Institutional TOEFL-Test am d.a.i. antreten. Mit etwas Vorbereitung ließ dieser sich auch mit einem sehr respektablen Ergebnis (und 80€ weniger in der Tasche) bestehen.

Das Verfassen von Motivationsschreiben kannte ich bereits von der Bewerbung an der Uni Tübingen. Dass ich ins Ausland wollte war klar, jetzt musste ich es meinen Gegenübern nur noch durch das Dreschen möglichst vieler Phrasen glaubhaft machen. Als ob der Antritt der gesamten Bewerberprozedur mit der Aussicht, 2 Tage in einem tiefgekühlten Langstreckenflugzeug auf engstem Raum zu verbringen, nicht schon genügend Zeugnis meiner Motivation gewesen wäre… Also: Phrasendreschen! Und zwar auf Englisch. – Kein Problem, leo.org hilft ja schließlich dabei.

Der englischsprachige Lebenslauf nach US-Muster gestaltete sich schon ein wenig komplizierter, da es hier ganz bestimmte Formzwänge einzuhalten galt. Ich habe das Teil dann kurzerhand zu meiner ehemaligen Englisch-Dozentin (native-speaker) geschickt und mir von Ihr noch einige nützliche Hinweise geben lassen.

Zum Schluss noch meine ganzen Zeugnis-, etc. Unterlagen zusammengekratzt, entknittert, alles kopiert, beglaubigen lassen, dazugesteckt – bei der Gelegenheit seit langem mal wieder einen schmunzelnden Blick auf meine alten, in Textform verfassten Grundschul-Zeugnisse aus der ersten und zweiten Klasse geworfen (Die wurden für die Bewerbung selbstverständlich NICHT benötigt!) – und die Bewerbung war fertig.

Wirklich fertig? Die gute Nachricht war, dass ich nach einigem hin und her für einen (im Rahmen eines Austauschprogramms in Zusammenarbeit mit der Uni Stuttgart) gesponsorten Platz an der University of Adelaide, South Australia vorgeschlagen wurde. Das ist zwar nicht Neuseeland, aber schon sehr nahe dran. Und mir blieben wie erhofft die astronomischen Studiengebühren über  stolze 5600€ erspart.

Die schlechte Nachricht war, dass die Uni Adelaide den Institutional TOEFL alleine nicht akzeptierte. Man verlangte zusätzlich noch ein DAAD-Sprachzeugnis von mir. Eigentlich muss man hierzu eine recht umfangreiche Prüfung ablegen, aber wie ich feststellte, ist der Uni-Betrieb da um einiges flexibler. „Herr S., sagen Sie mal, was haben Sie denn eigentlich schon alles gemacht?“ … Einfach mal meine Englisch-Scheine der Neuphilologischen Fakultät Tübingen und LK-Noten us der Oberstufe zusammen mit meinem TOEFL-Ergebnis auf den Tisch gelegt und ich hatte das Zeugnis in der Hand.

Meine nun vollständige Bewerbung konnte jetzt an die University of Adelaide weitergeleitet werden. Wir schreiben inzwischen den 29.08.2007.

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